Leitgedanke

Wohnen ist Ausdruck des Lebens selbst – kein Besitz, sondern Beziehung.

In der Neuen Zeit entstehen HĂ€user und LebensrĂ€ume aus Liebe, Freude und Bewusstsein. Jeder Mensch hat das natĂŒrliche Recht auf einen Ort, an dem er sich geborgen, verbunden und frei fĂŒhlt. Bauen geschieht gemeinschaftlich, mit Achtung vor der Erde und im Einklang mit der Natur.

Ausgangslage

Mehr als jeder neunte Mensch in Deutschland muss ĂŒber 40 % seines Einkommens fĂŒrs Wohnen ausgeben. Die Mieten in den GroßstĂ€dten sind in zehn Jahren um durchschnittlich 44 % gestiegen, wĂ€hrend 2025 so wenige Wohnungen fertig wurden wie seit 2012 nicht mehr. Rund 1,35 Millionen Wohnungen fehlen, und der Bestand an Sozialwohnungen ist auf ein Viertel des einstigen Höchststands geschrumpft. Über eine halbe Million Menschen sind wohnungslos. Und doch gibt es seit ĂŒber 150 Jahren eine erprobte Antwort: Gemeinsam bauen und wohnen – in Genossenschaften, Hausprojekten und Stiftungen.

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Ziele

  • Bezahlbaren, sicheren Wohnraum fĂŒr alle schaffen – dauerhaft und nicht nur fĂŒr eine Förderperiode
  • Boden und HĂ€user der Spekulation entziehen und gemeinschaftlich sichern
  • Bauen als gemeinschaftlichen, schöpferischen Akt begreifen
  • WohnrĂ€ume schaffen, die Gesundheit, Frieden und KreativitĂ€t fördern
  • NatĂŒrliche, regionale Materialien nutzen und Bestehendes erhalten, statt abzureißen
  • Traditionelles Wissen und bewusstes Gestalten verbinden
  • RĂ€ume als Spiegel innerer Klarheit, Schönheit und WĂŒrde gestalten

Inhalte

NatĂŒrliche Bauweise und Einfachheit

Bauen folgt den Rhythmen der Natur. Holz, Lehm, Stroh, Hanf, Stein und andere natĂŒrliche Materialien verleihen den HĂ€usern WĂ€rme, BestĂ€ndigkeit und Lebenskraft. Lehm gleicht die Luftfeuchte aus, Holz und Stroh speichern Kohlenstoff, statt ihn freizusetzen. Wo regional gebaut wird, bleiben Wege kurz und das Wissen der Handwerker lebendig.

Jeder baut oder hilft dort, wo seine Begabungen liegen – gemeinschaftlich und freudig. Eigenleistung, Nachbarschaftshilfe und gemeinsame Bautage senken die Kosten und schaffen Verbundenheit.

Bestand erhalten – KreislĂ€ufe schließen

Mehr als die HĂ€lfte des gesamten Abfalls in Deutschland stammt aus Bau und Abriss. Das nachhaltigste Haus ist oft das, das schon steht. Wir sanieren, bauen um und auf, nutzen Leerstand und bringen Bauteile ĂŒber Bauteilbörsen in neue HĂ€user. HĂ€user werden so geplant, dass sie spĂ€ter wieder zerlegt und ihre Materialien wiederverwendet werden können.

Einen Schritt weiter geht der Architekt Thomas Rau: GebĂ€ude werden zu Materiallagern. Die Hersteller bleiben EigentĂŒmer ihrer Bauteile und Materialien, die Nutzer mieten deren Leistung – Licht statt Lampen, Fassade statt Fassadenplatten. Nach der Nutzung geht alles an den Hersteller zurĂŒck. Wer so wirtschaftet, hat jedes Interesse an langlebigen, reparierbaren und sortenrein trennbaren Produkten, denn gut erhaltenes, sauber rĂŒckgewinnbares Material behĂ€lt seinen Wert. Ein Materialpass hĂ€lt fest, was in einem Haus steckt – so wird Abfall zu Material mit IdentitĂ€t.

Boden als Gemeingut

Land und Raum gehören nicht Einzelnen, sondern der Erde selbst. Menschen hĂŒten und gestalten sie gemeinsam. HĂ€user gehören der Gemeinschaft, nicht dem Kapitalmarkt – und Eigentum wandelt sich in Verantwortung.

Schon heute gibt es erprobte Wege, Boden und HĂ€user dauerhaft der Spekulation zu entziehen – ganz ohne Enteignung, auf freiwilliger Grundlage:

  • Wohnungsgenossenschaften: Die Bewohner sind zugleich EigentĂŒmer. Jedes Mitglied hat eine Stimme, ÜberschĂŒsse fließen zurĂŒck in die HĂ€user.
  • MietshĂ€user Syndikat: Ein Verbund, der HĂ€user so absichert, dass sie nie wieder verkauft werden können. Die Mieten decken die Kosten, nicht Renditen.
  • Stiftungen und Erbbaurecht: Stiftungen erwerben Grund und Boden und vergeben ihn im Erbbaurecht an Wohnprojekte. Der Boden bleibt dauerhaft gemeinnĂŒtzig, die HĂ€user tragen die Bewohner.
  • Gemeinwohlorientierte Bodenfonds: Kommunen und BĂŒrger kaufen gemeinsam Land, um es langfristig fĂŒr bezahlbares Wohnen und Gemeinschaftsprojekte zu sichern.

Gemeinschaftliches Wohnen und Gestalten

Menschen erschaffen gemeinsam Orte der Begegnung, des RĂŒckzugs und des gemeinsamen Wirkens: MehrgenerationenhĂ€user, Wohnprojekte, Clusterwohnungen, Ökodörfer und lebendige Nachbarschaften. Gemeinsam genutzte RĂ€ume – GĂ€stezimmer, Werkstatt, WaschkĂŒche, GemeinschaftskĂŒche, Garten – machen die private Wohnung kleiner und das gemeinsame Leben reicher. So entstehen LebensrĂ€ume, die nicht trennen, sondern verbinden.

Bewusstes Gestalten von Raum

Form, Licht, Farbe, Material, Akustik und Raumklima wirken auf Gesundheit und Wohlbefinden. Die Baubiologie achtet auf schadstofffreie Materialien, gutes Raumklima und eine gesunde Umgebung. Bauen heißt, der Seele Raum zu geben.

RĂ€ume tragen Schwingung. HĂ€user werden zu sichtbaren Ausdrucksformen innerer Haltung – zu lebendigen Organismen, die Kraft, Heilung und Schönheit ausstrahlen.

Neue Formen des Wohnens

Gemeinschaftliche Dörfer, Höfe und Nachbarschaften bilden lebendige KreislĂ€ufe – verbunden mit gemeinsamer Energieversorgung, GĂ€rten und WerkstĂ€tten. Jeder Mensch bringt das ein, was er liebt und kann. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, etwa im Konsent oder nach den Prinzipien der Soziokratie.

Niemand besitzt mehr, als er nutzt – und doch hat jeder, was er braucht. Das Miteinander ersetzt Besitz, Vertrauen ersetzt VertrĂ€ge.

Gradido

  • Wohnen ohne Existenzangst: Jeder Mensch hat das Recht auf ein wĂŒrdiges Leben. Das Aktive Grundeinkommen deckt die laufenden Kosten – auch Miete und Kreditraten sind gesichert, wenn einmal weniger verdient wird. (16, 17, 75)
  • Bauen ohne Zinslast: Wer heute ein Haus auf Kredit baut, zahlt ĂŒber die Laufzeit oft ein Vielfaches zurĂŒck. Mit Gradido zahlt man höchstens die geliehene Summe zurĂŒck, denn Kredite sind in der Regel zinsfrei. (40, 45)
  • Generationen helfen einander: Ältere unterstĂŒtzen JĂŒngere beim Hausbau und erhalten dafĂŒr im Alter eine Zusatzrente. (41)
  • Faire Mieten: Heute stecken in jeder Miete die Zinsen fĂŒr GrundstĂŒck und Bau. Ohne diese verdeckten Zinsen werden Mieten fairer. (44)
  • Eigentum verpflichtet: Wer Grund besitzt, bringt ihn in einen naturgemĂ€ĂŸen Zustand – etwa mit begrĂŒntem Dach und biologisch bewirtschaftetem Garten –, unterstĂŒtzt durch den Ausgleichs- und Umweltfonds. (51)
  • FĂŒr jede Lebensform: Von der Wohngemeinschaft bis zur großen Gemeinschaft: Das Grundeinkommen aller Mitglieder trĂ€gt gemeinsam die Kosten fĂŒr Grund und GebĂ€ude. (62)
  • Handwerk wird bezahlbar: Hochwertige, handgefertigte Arbeit wird fĂŒr alle erschwinglich. (9)

Die Gradido-Vorteile fĂŒr Bauen und Wohnen: 16 (Die Wirtschaft dient den Menschen), 40 (Nur zinslose Kredite haben eine Chance am Markt), 44 (Keine verdeckten Zinsen in den Preisen), 45 (WIN-WIN-Situationen fĂŒr Kreditgeber und Kreditnehmer), 51 (Umweltauflage fĂŒr Grund und Boden), 62 (Passend fĂŒr alle: von der Wohngemeinschaft bis zum Weltkonzern), 75 (Weniger Produktion ohne soziale Nachteile). Alle zugehörigen Vorteile →

Verwandte AnsÀtze und Bewegungen

  • Wohnungsgenossenschaften: Rund 2.000 Genossenschaften mit 2,2 Millionen Wohnungen – Selbsthilfe, Selbstverwaltung, Selbstverantwortung.
  • MietshĂ€user Syndikat: Über 160 Hausprojekte, die dauerhaft dem Markt entzogen sind.
  • Stiftungen fĂŒr Boden und Wohnen: Sie sichern Grund und Boden ĂŒber das Erbbaurecht dauerhaft fĂŒr gemeinschaftliche Nutzung.
  • Ökodörfer und Gemeinschaften: Orte, an denen Wohnen, Arbeiten, Versorgung und Gemeinschaft zusammenfinden.
  • Naturbau und Baubiologie: Lehm-, Stroh- und Holzbau, gesunde Materialien, handwerkliches Wissen.
  • Kreislaufgerechtes Bauen: Bauteilbörsen, RĂŒckbau statt Abriss, Umbau statt Neubau.
  • Material als Dienstleistung und Materialpass: Nach Thomas Rau („Material Matters“) bleiben Hersteller EigentĂŒmer ihrer Produkte; das Register Madaster dokumentiert, welche Materialien in einem GebĂ€ude stecken.
  • Tiny Houses und kleine Wohnformen: Weniger FlĂ€che, weniger Kosten, mehr Freiheit.

Der Weg vom Alten zum Neuen

Der Übergang geschieht nicht durch Kampf gegen das Alte, sondern durch das stille Aufbauen des Neuen. Wo immer Menschen beginnen, anders zu denken, zu bauen und zu leben, wandelt sich die Welt.

  • Beginne im Kleinen: RĂ€ume bewusst gestalten, alte Materialien wiederverwenden, die Nachbarschaft einbeziehen.
  • Werde Mitglied einer Wohnungsgenossenschaft oder schließe Dich einer Wohninitiative an.
  • Schließe Dich mit anderen zusammen – in Gemeinschaften, Wohninitiativen und Freundeskreisen.
  • Teile Werkzeuge, Wissen und Erfahrungen; organisiere gemeinsame Bau- und Renoviertage.
  • Lerne, was Du brauchst, um eigenstĂ€ndig und einfach zu leben – Handwerk, GĂ€rtnern, Energieversorgung.
  • FĂŒhre GesprĂ€che ĂŒber Land, Eigentum und gemeinschaftliche Nutzung – ohne Dogma, aber mit offenem Herzen.
  • Lass Schönheit und Einfachheit zu Leitsternen Deines Bauens werden.

So entsteht die Neue Welt Schritt fĂŒr Schritt – nicht durch Forderung, sondern durch Vorbild.

Praxisimpulse fĂŒr Gemeinschaften

  • Gemeinschaftliche Bauprojekte und Wohnformen grĂŒnden und fördern
  • HĂ€user ĂŒber Genossenschaft, Syndikat oder Stiftung dauerhaft der Spekulation entziehen
  • Leerstand aufspĂŒren und mit EigentĂŒmern und Kommune neue Nutzungen entwickeln
  • NatĂŒrliche Materialien, alte Bauweisen und handwerkliche FĂ€higkeiten nutzen und weitergeben
  • Bauteilbörsen und gemeinsame Werkzeuglager einrichten
  • RĂ€ume als bewusste Lebensorte gestalten – als Ausdruck von Liebe und Gemeinschaft
  • Land als gemeinschaftliches Gut hĂŒten und pflegen
  • Schönheit, Einfachheit und Freude als Bauprinzipien leben

Vertiefende Seiten