„Wie soll ich die Miete zahlen?“ – für Millionen Menschen ist das keine Redewendung, sondern Alltag. Diese Seite sammelt die wichtigsten Zahlen zum Wohnen in Deutschland und ordnet sie ein. Sie ist der Ausgangspunkt für den Wandel.
Wohnen frisst das Einkommen
2025 lebten 11,2 % der Menschen in Deutschland in Haushalten, die mehr als 40 % ihres verfügbaren Einkommens für das Wohnen ausgeben mussten – für Miete oder Kreditraten, Heizung, Strom, Wasser und Nebenkosten. Das ist mehr als jeder Neunte und deutlich über dem EU-Durchschnitt von 7,7 %. Besonders hart trifft es Haushalte mit geringem Einkommen: Fast die Hälfte aller Mieterhaushalte gehört zum untersten Einkommensdrittel.
Mieten steigen schneller als alles andere
In den 14 größten Städten sind die Angebotsmieten zwischen 2016 und 2025 um durchschnittlich 44 % gestiegen. In Berlin kletterte die Kaltmiete für neu angebotene Wohnungen von rund 9 auf über 15 Euro je Quadratmeter (+69 %), in Leipzig um 67 %. München erreicht mit über 21 Euro den höchsten Wert. Wer umziehen muss – wegen eines neuen Arbeitsplatzes, einer Trennung oder weil die Familie wächst –, zahlt den vollen Marktpreis.
Es wird immer weniger gebaut
2025 wurden nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt – 18 % weniger als im Vorjahr und so wenige wie seit 2012 nicht mehr. Im Osten brach der Neubau sogar um mehr als ein Drittel ein. Vom Bauantrag bis zum Einzug vergehen inzwischen im Schnitt 27 Monate. Nach Berechnungen des Pestel-Instituts fehlen in Deutschland rund 1,35 Millionen Wohnungen.
Sozialwohnungen verschwinden
Zu Hochzeiten gab es in Deutschland rund vier Millionen Sozialwohnungen. Heute ist es noch etwa eine Million. Der Grund: Sozialwohnungen sind nur auf Zeit gebunden, meist für 30 Jahre, und fallen danach in den freien Markt. 2025 wurden gut 27.000 neue Sozialwohnungen gefördert, aber fast 58.000 fielen aus der Bindung – ein Nettoverlust von rund 20.000 Wohnungen in einem Jahr. Nach Einschätzung des Deutschen Mieterbunds fehlen etwa eine Million Sozialwohnungen.
Ohne Wohnung
Laut Wohnungslosenbericht der Bundesregierung waren zuletzt rund 531.600 Menschen in Deutschland wohnungslos – in Notunterkünften, bei Freunden und Bekannten („verdeckt wohnungslos“) oder auf der Straße. Nicht mitgezählt sind unter anderem Menschen in Frauenhäusern, Kliniken oder Gefängnissen ohne Wohnung. Viele leben über zwei Jahre in Notunterkünften, darunter auch Familien mit Kindern.
Zuwanderung und Wohnungsmarkt
Ende 2025 lebten rund 3,2 Millionen Schutzsuchende in Deutschland – fast vier Prozent der Bevölkerung. Sie alle brauchen ein Dach über dem Kopf, und die meisten suchen genau dort, wo der Mangel ohnehin am größten ist: bei kleinen, günstigen Wohnungen und bei Wohnraum für große Familien. Dort konkurrieren sie mit Rentnern, Alleinerziehenden, Auszubildenden und Geringverdienern um dieselben knappen Wohnungen. Das ist keine Stimmungsmache, sondern Alltag auf dem Wohnungsmarkt.
Hinzu kommt der Preis. Wo Kommunen unter Zeitdruck Unterkünfte brauchten, konnten Vermieter fast jede Forderung durchsetzen. Der Bundesrechnungshof stellte 2020 fest, dass für die Unterbringung Geflüchteter häufig mehr als das Doppelte der ortsüblichen Miete abgerechnet wurde – bezahlt aus Steuergeld, teils ohne jede Prüfung. Nachdem der Bund 2016 die Unterkunftskosten für Geflüchtete vollständig übernommen hatte, stiegen sie binnen zwei Jahren um 20 %, bei anderen Leistungsbeziehern um 1 %. Ein Wohncontainer, der vorher mit 10 Euro je Quadratmeter abgerechnet wurde, kostete plötzlich 50 Euro. Inzwischen sinken die Zugangszahlen, und erste Unterkünfte werden geschlossen. Doch langfristige Mietverträge aus den Krisenjahren laufen vielerorts weiter.
Eine verbreitete Annahme stimmt allerdings nicht: Wer sich noch im Asylverfahren befindet oder nur geduldet ist, erhält kein Wohngeld und in aller Regel auch keinen Wohnberechtigungsschein für eine Sozialwohnung. Diese Menschen leben überwiegend in Sammel- und Übergangsunterkünften. Anspruch auf Wohngeld und Sozialwohnungen haben bei geringem Einkommen die Geflüchteten mit anerkanntem Schutzstatus – wie jeder andere rechtmäßig hier lebende Mensch auch. Das sind gut 2,7 Millionen Menschen, darunter rund 1,1 Millionen aus der Ukraine.
Am Ende zeigt sich hier dasselbe Muster wie überall auf dem Wohnungsmarkt: Wo Wohnraum knapp ist, verdient, wer ihn besitzt – und die Allgemeinheit zahlt. Dass es auch anders geht, haben in den Krisenjahren Vermieter gezeigt, die bewusst zu fairen Preisen vermietet haben, obwohl sie das Doppelte hätten verlangen können.
Ein Land der Mieter
Weniger als die Hälfte der Haushalte wohnt im eigenen Heim – die niedrigste Quote in der EU, wo im Schnitt rund 70 % im Eigentum leben. Wohneigentum kostet hierzulande 7 bis 10 Jahreseinkommen. Das bedeutet: Die große Mehrheit ist darauf angewiesen, dass andere ihnen Wohnraum zu fairen Bedingungen überlassen – und hat wenig Einfluss darauf, wie sich die Miete entwickelt.
Leerstand und Flächenhunger
Gleichzeitig standen beim Zensus 2022 rund 4,3 % aller Wohnungen leer – fast zwei Millionen. Viele liegen in Regionen mit wenig Nachfrage, andere werden aus Spekulation, wegen Sanierungsstau oder ungeklärter Verhältnisse nicht genutzt. Für Siedlungen und Verkehr werden täglich rund 50 Hektar neue Fläche verbraucht; das Ziel für 2030 liegt bei unter 30 Hektar.
Bauen belastet die Umwelt
Bau- und Abbruchabfälle machen rund 52 % des gesamten Abfallaufkommens aus – fast 200 Millionen Tonnen im Jahr. Herstellung von Zement, Stahl und Ziegeln ist sehr energieintensiv. Abriss und Neubau sind deshalb fast immer die teuerste Lösung für die Umwelt.
Von unten wächst Neues
- Wohnungsgenossenschaften: Rund 2.000 Genossenschaften bewirtschaften 2,2 Millionen Wohnungen, in denen etwa fünf Millionen Menschen leben – demokratisch, dauerhaft bezahlbar und ohne Renditedruck.
- Mietshäuser Syndikat: 166 Hausprojekte sind bereits dauerhaft dem Markt entzogen, 20 weitere Initiativen sind auf dem Weg.
- Stiftungen, Bodenfonds, Mehrgenerationenhäuser und Ökodörfer zeigen, dass Wohnen auch anders organisiert werden kann: gemeinschaftlich, generationenübergreifend und dem Gemeinwohl verpflichtet.
Einordnung
Wohnen ist in Deutschland zur Ware geworden. Boden und Häuser werden als Kapitalanlage gehandelt, die Mieten folgen den Renditeerwartungen, und öffentlich geförderter Wohnraum läuft nach einigen Jahrzehnten einfach aus. Wer wenig verdient, ist diesem Markt fast schutzlos ausgeliefert.
Doch die Genossenschaften beweisen seit über 150 Jahren, dass es anders geht: Wo Menschen sich zusammentun und Häuser gemeinsam besitzen, bleibt Wohnen bezahlbar – dauerhaft. Die entscheidenden Fragen lauten: Wem gehören Boden und Häuser? Wer profitiert von steigenden Mieten? Und wie schaffen wir Wohnraum, der dauerhaft dem Leben dient statt der Rendite? Die Antwort liegt in der Kooperation. Genau hier setzt der Weg vom Alten zum Neuen an.
Quellen
- Statistisches Bundesamt: EU-Vergleich: Überbelastung durch Wohnkosten 2025
- ZDFheute: Großstadt-Mieten steigen in zehn Jahren um 44 Prozent (nach Angaben des Bundesbauministeriums)
- Statistisches Bundesamt: 18,0 % weniger fertiggestellte Wohnungen im Jahr 2025
- Pestel-Institut / BDB: Bau-Monitor 2026
- Gebäudeforum klimaneutral: Sozialwohnungsbau in Deutschland (Gebäudereport 2026)
- Deutscher Mieterbund: Sozialwohnungsbestand erreicht historischen Tiefstand
- BAG Wohnungslosenhilfe: Zahl der wohnungslosen Menschen (Wohnungslosenbericht der Bundesregierung)
- Statistisches Bundesamt: 3,2 Millionen Schutzsuchende zum Jahresende 2025
- Bundesrechnungshof, Stellungnahme für den Haushaltsausschuss 2020, zitiert nach taz: Miete für Geflüchtete – 50 Euro pro Quadratmeter Container
- Sachverständigenrat für Integration und Migration: Jahresgutachten 2026, zitiert nach MiGAZIN
- § 7 Wohngeldgesetz (Ausschluss vom Wohngeld): dejure.org
- Sparkasse / LBS Research: Deutschland ist Europas Schlusslicht beim Wohneigentum
- Statistisches Bundesamt: Zensus 2022: 4,3 % aller Wohnungen stehen leer
- Umweltbundesamt: Siedlungs- und Verkehrsfläche und Abfallaufkommen
- GdW: Wohnungsgenossenschaften
- Mietshäuser Syndikat: Projekte in Deutschland
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