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Wie sicher ist unsere Versorgung, wer organisiert sie – und was geschieht, wenn große Systeme ausfallen? Diese Seite sammelt die wichtigsten Zahlen und ordnet sie ein. Sie ist der Ausgangspunkt für den Wandel.
Versorgung an langen Ketten
Die Ausgangslagen der anderen Lebensbereiche zeigen ein gemeinsames Muster: Rund 70 % unserer Energie werden importiert (Energieversorgung). Beim Gemüse erzeugen wir nur 37 % selbst, beim Obst 20 % (Ernährung). Vier Handelskonzerne beherrschen rund 88 % des Lebensmittelmarkts.
Auch bei Medikamenten ist die Kette dünn geworden: Zum Jahresbeginn 2026 meldete das Bundesinstitut für Arzneimittel 546 Lieferengpässe – vom Asthmaspray über Mittel gegen Demenz bis zu Psychopharmaka. Viele Wirkstoffe werden nur noch an wenigen Orten der Welt hergestellt. Fällt einer davon aus, fehlt das Mittel in ganz Europa.
Wenn das Netz reißt
Am 3. Januar 2026 legte ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Südwesten Berlins das Stromnetz lahm. Über 40.000 Haushalte und rund 2.000 Betriebe waren etwa vier Tage ohne Strom – mitten im Winter, ohne Heizung, oft ohne Telefon und Internet. Es war der längste Stromausfall in Berlin seit 1945. Das Land rief die Großschadenslage aus, die Bundeswehr half mit Treibstoff für Notstromaggregate und Unterkünften.
Die Bundesakademie für Sicherheitspolitik zieht daraus eine klare Lehre: Nachbarschaften mit starken Netzen, aktiven Vereinen und einer Kultur der gegenseitigen Hilfe überstehen solche Ausfälle deutlich besser als anonyme Stadtviertel. Die Vorsorge jedes Einzelnen ist nur die erste Linie – tragfähig wird sie erst durch Gemeinschaft.
Daseinsvorsorge dünnt aus
2025 waren in Deutschland rund 4.400 Hausarztsitze unbesetzt. Bis 2040 könnten es rund 12.000 sein – jeder fünfte Sitz. Besonders betroffen ist der ländliche Raum, wo auch Lebensmittelläden, Bankfilialen, Post und Busverbindungen immer seltener werden. Wer kein Auto hat oder nicht mehr fahren kann, verliert schnell den Zugang zum Nötigsten.
Zentral und schwerfällig
Viele Strukturen sind groß, zentral und von oben gesteuert. Das hat seinen Preis: Nach einer Studie des ifo-Instituts kostet übermäßige Bürokratie Deutschland rund 146 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung im Jahr. Der Nationale Normenkontrollrat beziffert allein die direkten Kosten auf etwa 65 Milliarden Euro. Auch Ehrenamtliche nennen bürokratische und rechtliche Hürden als eines der größten Hindernisse für ihr Engagement.
Die Bereitschaft ist da
2024 engagierten sich 36,7 % der Menschen ab 14 Jahren freiwillig – rund 27 Millionen. Sie tragen Sportvereine, Tafeln, Feuerwehren, Nachbarschaftshilfen und Initiativen aller Art. Was sie bremst, sind vor allem fehlende Zeit, Kosten, Bürokratie, fehlende Räume und zu wenig Anerkennung.
Von unten wächst Neues
- Genossenschaften: Rund 7.000 Genossenschaften mit 22 Millionen Mitgliedern und einer Million Beschäftigten – Banken, Wohnungsgenossenschaften, Raiffeisen, Handel und Energie. Allein 2024 wurden 64 neue Energiegenossenschaften gegründet.
- Bürger- und Dorfläden: Über 300 Läden werden von Bürgern selbst getragen und sichern die Nahversorgung dort, wo sich für Handelsketten kein Geschäft mehr lohnt.
- Solidarische Landwirtschaft, Wohnprojekte, Energiegemeinschaften: In allen Lebensbereichen entstehen gemeinschaftlich getragene Versorgungsformen – siehe die Ausgangslagen der einzelnen Bereiche.
Einordnung
Unsere Versorgung ist effizient, solange alles läuft – und verletzlich, sobald ein Glied der Kette bricht. Sie ist in die Hände weniger großer Anbieter und ferner Produktionsorte gewandert, während vor Ort Läden, Praxen und Treffpunkte verschwinden. Gleichzeitig wird das Engagement der Menschen durch Bürokratie eher gebremst als getragen.
Doch die Zahlen zeigen auch die andere Seite: Millionen Menschen engagieren sich, Millionen sind in Genossenschaften organisiert, und überall entstehen neue gemeinschaftliche Formen der Versorgung. Die entscheidenden Fragen lauten: Wie machen wir unsere Versorgung vor Ort krisenfest? Wie geben wir der Selbstorganisation Raum, statt sie zu verwalten? Und wie verbinden wir die vielen einzelnen Initiativen zu einem tragfähigen Netz? Die Antwort liegt in der Kooperation. Genau hier setzt der Weg vom Alten zum Neuen an.
Quellen
- APOTHEKE ADHOC: 2026: Start mit knapp 550 Arzneimittel-Engpässen (nach BfArM)
- Wikipedia: 2026 arson attack on the Berlin power grid
- Bundesakademie für Sicherheitspolitik: Bedingt resilient – was der Berliner Blackout für die deutsche Krisenvorsorge bedeutet (2026)
- Deutsches Ärzteblatt: Prognose: Rund 12.000 freie Hausarztsitze bis 2040 (IGES / Bosch Health Campus)
- ifo Institut: Bürokratie kostet Deutschland 146 Milliarden Euro im Jahr (2024)
- Verbandsbüro: Freiwilligensurvey 2024 – 27 Millionen Engagierte
- DGRV: Zahlen und Fakten der Genossenschaften 2025
- Dorfladen-Netzwerk: Dorfläden in Deutschland
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